In einem Großteil der Quartalsberichte unserer Top-50-Unternehmen wurden Probleme mit den Lieferketten als Wachstumsbremser genannt. Klar, dass viele Konzerne nach neuen Lösungen suchen und hierfür auch viel Geld in die Hand nehmen würden. Laut der Marktforschung durch Gartner steigen in den nächsten drei Jahren die Investitionen in Software für Supply-Chain-Management (SCM) um mehr als 14 Prozent pro Jahr. Kann der deutsche Software-Riese SAP (WKN: 716460) davon profitieren? Der Konzern könnte Aufwind gebrauchen. Die SAP Aktie ist seit Beginn des Jahres um knapp ein Viertel abgesackt.

Intelligentes Lieferketten-Management

Laut SAP-Vorstand Thomas Saueressig sei „das größte Problem der Unternehmen (…) die mangelnde Transparenz der Lieferkette“. Somit ist es für Unternehmen derzeit auf den ersten Blick schwer zu erkennen, wo genau die Probleme entstehen und welche direkten Auswirkungen sie beispielsweise auf die eigene Produktion haben. Aber auch die langfristige Planung sei davon betroffen. Neue SAP-Software für intelligentes Lieferketten-Management soll dafür bald Abhilfe schaffen. Diese soll Konzernen in Echtzeit anzeigen, welche Lieferungen sich warum verzögern und, wie sich das im Detail auf die Produktion auswirkt. Damit könnten Unternehmen ihre „Margen optimieren“, die Profitabilität wieder steigern. SAP ist bei der SCM-Software mit einem Anteil von knapp 28 Prozent weltweiter Marktführer. In der Konzernführung geht man derzeit nicht von einem baldigen Ende der globalen Lieferkettenprobleme aus. Vielmehr ginge es von nun an um „konstantes Krisenmanagement“. 

SAP Aktie: Was bleibt am Ende übrig?

Dafür spricht auch eine neue Umfrage der Boston Consulting Group. Über ein Viertel der befragten Produktionsleiter rechnet inzwischen damit, dass die eigenen Werke in den nächsten drei Jahren nicht ausgelastet sein werden. Dass sich hier gerade eine neue Boom-Branche im Softwarebereich entwickelt könnte, bemerkt auch die SAP-Konkurrenz. In Deutschland ist das unter anderem Bosch. International sollte man besonders auf Oracle oder Blue Yonder schauen. Auf knapp 32 Milliarden US-Dollar könnte das Segment bis 2025 anwachsen. Verteidigt SAP seinen Anteil am Kuchen wären das satte acht Milliarden US-Dollar Umsatz. Der Blick auf den eigenen Jahresumsatz von etwa 28 Milliarden Euro in 2021 zeigt: Hier geht es für die Walldorfer um viel Geld.

Konzern bei Absolventen immer unbeliebter!

Um in einem neuen Technologie-Umfeld erfolgreich zu sein, wird SAP auch neue und gute Fachkräfte brauchen. Die zu finden ist für den Softwarekonzern derzeit nicht einfach. Aktuell würden nur knapp zwölf Prozent der Informatikabsolventen in Deutschland zu SAP gehen. Zu dem Schluss kommt das neue Arbeitgeberranking von Universum. Die großen Cloud-Rivalen wie Microsoft und Google sind deutlich beliebter. Um hier langfristig aufzuholen, muss der Konzern auch sein altbackenes Image aufpolieren. Der Eintritt in neue, innovative Geschäftsfelder kann dabei helfen. 

Laut Tina Smetana von Universum könnten Absolventen heute „hohe Anforderungen an den Job stellen und fordern neben hohen Gehältern auch eine flexible Arbeit samt Homeoffice”. Hier gehört SAP zu den fortschrittlicheren Konzernen. Angestellte sollen auch in Zukunft auf Basis des „Pledge to Flex”-Programms ihren Arbeitsort im Prinzip frei wählen können. Dazu baut SAP gerade eine Niederlassung neben der TU München. Nach Konzernchef Christian Klein brauchen Studenten dann nur noch „die Straßenseite zu wechseln und können bei SAP anfangen”.

SAP Aktie: Alter Software-Riese im Umbruch!

Die nächste Jahre werden zeigen, ob die Maßnahmen auch wirken. In den letzten fünf Jahren wuchs die Belegschaft schon um etwa 24.000 Beschäftigte. Der Bedarf bleibt durch die Dynamik vieler Geschäftsfelder weiter hoch. Wir haben bereits darüber berichtet, dass SAP sich derzeit in einem echten Umbruch befindet. Da ist die sinkende Beliebtheit gerade bei jungen Menschen, die der Konzern für weitere Innovation braucht, kein gutes Vorzeichen. Diese Problematik sollte die Konzernführung ernst nehmen, da sich die negativen Folgen daraus erst langfristig zeigen. Für uns überwiegt weiter die sehr starke Ausgangsposition in wachsenden Zukunftsmärkten wie dem intelligenten Lieferketten-Management. Die SAP Aktie bleibt deswegen eine feste Bank in unserer Top-50.

Julian besitzt keine der im Artikel erwähnten Aktien.