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SAP (WKN: 716460) befindet sich in einer Zeit des Umbruchs. Als Weltmarktführer für Unternehmenssoftware scheint die Ausgangslage für die weitere Entfaltung solide. Stichwort: Cloud-Lösungen. Doch der Wandel der Branche ruft neben einem großen Wachstumspotenzial auch neue Konkurrenz auf den Plan. Am 01. April feierte SAP seinen 50. Geburtstag. Nach einer bislang beispiellosen Erfolgsgeschichte der Walldorfer darf man jetzt den Anschluss nicht verpassen. Seit Jahresbeginn steht die SAP Aktie knapp 20 Prozent im roten Bereich. Deshalb verschaffen wir uns jetzt einmal einen Überblick über die aktuelle Lage. 

Das große Thema Cloud

„Wenn man zurückschaut, hätte man vielleicht konsequenter schon frühzeitig auf die Cloud setzen können.“ Das sagte SAP-Chef Christian Klein dem Handelsblatt im Podcast “Disrupt”. Bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahren war Klein mit 39 Jahren der bislang jüngste Chef eines DAX-Konzerns. Nun muss er eine der vielleicht schwierigsten Herausforderungen des Konzerns meistern und die Spitzenposition von SAP in einem neuen, hart umkämpften Branchenumfeld etablieren. Bis 2025 soll der durch Cloud-Geschäfte generierte Umsatz auf über 22 Milliarden Euro verdoppelt werden. Ein wichtiger Katalysator stellt hierbei seit einem Jahr das Angebot “Rise with SAP” dar. Damit soll Kunden die Umstellung auf Cloud-Lösungen erleichtert werden. Ende Januar dieses Jahres hatte der Service bereits über 1.300 Kunden. 

Die Entwicklung im vergangenen Jahr spricht für die Arbeit von Klein. So stiegen die Umsätze mit den Cloud-Diensten um über 16 Prozent auf knapp 9,5 Milliarden Euro. Ziel der Transformation ist es, die eigenen Dienste nicht mehr über Software-Lizenzen, sondern via Abo-Modell anzubieten. Software-Firmen wie das US-amerikanische SAP-Pendant Oracle oder das jüngere Salesforce sind den Walldorfern dabei allerdings einen Schritt voraus. Sie haben bereits früher und konsequenter in den nun offensichtlichen Trend investiert. Auch mit Projekten wie dem Aufbau einer Cloud-Infrastruktur für den deutschen Verwaltungssektor will SAP nun Boden gut machen. 

Luka Mucic hört als Finanzchef auf

Nach über einem Vierteljahrhundert im Unternehmen hört Finanzchef Luka Mucic auf eigenen Wunsch im März 2023 auf. Für viele Anleger der SAP Aktie war die Verkündung vor zwei Wochen eine Überraschung. Doch es passt zur herrschenden Umbruchstimmung im Konzern. 2020 hatte Mucic seinen Vertrag noch bis 2026 verlängert. Aufsichtsratschef Hasso Plattner sprach damals von einem „klaren Signal der Stabilität in unsicheren Zeiten“. Stabilität, die SAP auch in den nächsten Jahren gut gebrauchen könnte. Nun dankte Plattner Mucic für seine Arbeit und nannte ihn einen „Eckpfeiler der erfolgreichen Cloud-Transformation der SAP“. Über die Beweggründe für das vorzeitige Ausscheiden wurde Stillschweigen vereinbart. In seinem letzten Jahr werde Mucic seine Aufgaben als Finanzvorstand weiterhin „in vollem Umfang“ wahrnehmen. SAP sei bereits auf der Suche nach einem Nachfolger. Nach zuletzt einigen Personalwechseln auf Führungsebene wird Konzernchef Klein für die bevorstehenden Aufgaben mehr Ruhe im Unternehmen benötigen.

SAP Aktie: Too big to fail?

Folgende Zahlen von Ende Dezember zeigen, wie groß die Dominanz von SAP noch immer ist:

  • SAP hat über 440.000 Kunden in über 180 Ländern
  • Von den weltweit größten 100 Konzernen sind 99 SAP-Kunden
  • 80 Prozent des Kundenstamms sind dennoch kleine und mittelständische Unternehmen 
  • Über 107.000 Beschäftigte sind bei SAP angestellt
  • Der gesamte Kundenstamm von SAP erwirtschaftet mit 46 Billionen US-Dollar 87 Prozent des weltweiten Handelsvolumens

Diese beeindruckende Marktdominanz ist ein wichtiger Trumpf für SAP. Trotzdem scheint sich der Konzern neu erfinden zu müssen, damit dies im Cloud-Zeitalter so bleibt. Das in den letzten Jahrzehnten erarbeitete Selbstverständnis als globaler Software-Player darf den Wandel dabei nicht bremsen. Gründer Dietmar Hopp spricht den jungen Konzernchef Klein in diesem Zusammenhang direkt an. „Er muss hierbei viele Prozesse innerhalb der SAP komplett verändern, an die sich viele Mitarbeiter über Jahre gewöhnte haben“. Vertrauen in ein selbstverständliches Gelingen der Transformation klingt anders. Die Konzernführung nimmt die Herausforderung ernst. Mich stimmt positiv, dass SAP bereits voll auf Innovation setzt. Etwa 30 Prozent der Mitarbeiter arbeiten an über 100 Entwicklungsstandorten in der Forschung & Entwicklung. Auch deswegen bin ich weiter überzeugt, dass die SAP Aktie in Zeiten des großen Umbruchs ein gute, langfristige Anlagemöglichkeit bleibt.

Julian besitzt keine der im Artikel erwähnten Aktien.