PayPal (WKN: A14R7U) Aktionäre durchleben aktuell eine schwere Zeit. Seit den Höchstständen im vergangenen Sommer hat die PayPal-Aktie mehr als 50 Prozent ihres Wertes verloren. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass die Aktie auf die Sicht von zwei Jahren immer noch mit 50 Prozent im Plus steht. Nun hat der Zahlungsdienstleister gestern seine Zahlen für das vierte Quartal 2021 präsentiert und diese konnten nicht überzeugen. Der Umsatz stieg um lediglich 13 Prozent und der Gewinn je Aktie ging um 49 Prozent zurück. Gepaart mit einem schlechten Ausblick für das kommende Quartal, führte dies zur nächsten Abwärtsbewegung bei der PayPal-Aktie.

PayPal Umsatz in Q4 2021

Im vierten Quartal 2021 hat PayPal insgesamt 6,9 Milliarden US-Dollar umgesetzt. Dies entspricht einer Steigerung von 13 Prozent. Damit konnte PayPal das Wachstumstempo des vergangenen Jahres nicht halten, in welchem der Umsatz noch um 20 Prozent gesteigert wurde.

Die Gründe für den Wachstumsrückgang sind vielseitig. Zum einen hat PayPal vom, durch die Corona-Pandemie ausgelösten, Trend zum Onlineshopping profitiert. Die Menschen haben vermehrt online eingekauft und dabei dann mithilfe von PayPal bezahlt. Mit der Normalisierung der allgemeinen Lage kaufen die Menschen wieder vermehrt im lokalen Einzelhandel ein. Daher nimmt dieser Sondereffekt langsam ab.

Zum anderen trifft PayPal das Ende der exklusiven Zusammenarbeit mit eBay sehr hart. Bis Ende 2020 hatten die beiden Unternehmen einen Exklusivvertrag und alle eBay-Kunden benötigten einen PayPal-Account. Dieser Vertrag wurde von eBay jedoch nicht verlängert und nun können Kunden auch andere Zahlungsmethoden als PayPal verwenden. Alleine der Verlust dieses Exklusivvertrags sorgte bei PayPal für Umsatzeinbußen gegenüber dem Vorjahr von neun Prozent.

PayPal Gewinn je Aktie in Q4 2021

Ein Gewinnrückgang gegenüber dem Vorjahr um 49 Prozent hört sich im ersten Moment natürlich erst einmal schockierend an. Bei der genauen Betrachtung relativiert sich das ganze jedoch. Der operative Gewinn konnte um knapp zehn Prozent gesteigert werden. Der Rückgang des Netto-Gewinns rührt daher aus anderen Ausgaben, welche nicht aus dem operativen Geschäft kommen. Im vierten Quartal des Jahres 2020 wurden in diesem Bereich noch Einnahmen von fast 900 Millionen US-Dollar generiert. In diesem Quartal waren es dann Ausgaben in Höhe von 344 Millionen US-Dollar. Daher war der Gewinn im letzten Jahr stark nach oben verzehrt und nicht repräsentativ. Dieser Ausreißer lässt sich auch anhand der langfristigen Entwicklung der Q4 Gewinne von PayPal leicht erkennen.

Trotzdem war das Ergebnis in diesem Quartal nicht zufriedenstellend. Zum einen passt das Wachstum einfach nicht zur Bewertung der PayPal-Aktie, und zum anderen ging auch die operative Marge leicht zurück. Deshalb sind die Zahlen nicht so dramatisch, wie sie auf den ersten Blick wirken, jedoch auch kein Grund als Aktionär Freudensprünge zu machen.

PayPal Aktie bricht nach den Quartalszahlen ein

Neben den maximal soliden Zahlen für das abgelaufene Quartal gab PayPal einen sehr verhaltenen Ausblick. Für das kommende Quartal wird lediglich ein Umsatzwachstum von sechs Prozent erwartet. Ein heftiger Einbruch gegenüber dem Wachstum des Vorjahres, welches bei 38 Prozent gelegen hatte. Zudem erwartet PayPal einen Gewinn je Aktie von 0,87 US-Dollar, die Analystenschätzung lag im Vorfeld bei 1,16 US-Dollar. Hauptgründe für dieses schwache Wachstum sind, wie bereits angesprochen, das Ende des eBay-Exklusivvertrags und die Abschwächung des Onlinehandel-Booms.

Alles in allem haben die Zahlen von PayPal nicht überzeugt. PayPal ist trotz des Kurseinbruches im letzten Halbjahr noch bewertet wie ein Wachstumsunternehmen. Die aktuelle fundamentale Entwicklung passt jedoch nicht mehr dazu. Grundsätzlich glauben wir jedoch trotzdem an das grundlegende Geschäftsmodell von PayPal. Sie haben in ihrer Nische eine marktbeherrschende Stellung und arbeiten hochprofitabel. Bis sich die Situation bei PayPal beruhigt hat, haben wir im Bereich der Finanzdienstleistungen trotzdem andere Favoriten. Beispielsweise die Aktien von Visa (WKN: A0NC7B) und Mastercard (WKN: A0F602), welche beide in der vergangenen Woche überzeugende Quartalszahlen lieferten.

Robin besitzt keine der im Artikel erwähnten Aktien.