Vor dem Handelsstart gab am heutigen Donnerstag der Schweizer Konsumgüterkonzern Nestlé (WKN: A0Q4DC) seine Umsätze für das erste Quartal 2022 bekannt. Genau wie der amerikanische Konkurrent Procter & Gamble (WKN: 852062) konnte auch Nestlé solide Zahlen vorlegen. Der Umsatz wuchs organisch um 7,6 Prozent, die deutlich aussagekräftigere Zahl des “real internal growth” (reales internes Wachstum; RIG) lag jedoch lediglich bei 2,4 Prozent. Beim RIG wird das Wachstum durch Preissteigerungen herausgerechnet. Somit sind 5,2 Prozent des Wachstums von Nestlé auf Preissteigerungen zurückzuführen. Auch Procter & Gamble hatte die Preise in einem ähnlichen Ausmaß angehoben.

Nestlé Q1 2022 Ergebnisse

Q1 2022Q1 2021Veränderung
Umsatz22,2 Mrd. CHF21,1 Mrd. CHF+5,4 %
Real internal growth (RIG)+2,4 %
Preissteigerungen+5,2 %
Quelle: Nestlé “Nestlé reports three-month sales for 2022

Das Wichtigste im Überblick

Nestlé konnte den Umsatz im ersten Quartal des Jahres 2022 auf 22,2 Milliarden Schweizer Franken erhöhen. Dies entspricht einem Wachstum von 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In diesem Wachstum sind jedoch bereits negative Währungseffekte (-0,8 %) und Nettoveräußerungen (-1,3 %) enthalten. Organisch wuchs der Umsatz daher sogar um 7,6 Prozent. Das Wachstum wurde über alle Regionen und fast alle Produktgruppen hinweg erzielt und beruhte in erster Linie auf Preiserhöhungen und einer anhaltenden positiven Dynamik im Einzelhandel.

“Die ersten Monate dieses Jahres waren vom Krieg und vom unsäglichen menschlichen Leid in der Ukraine gezeichnet. In dieser schwierigen Situation legten wir unseren Fokus auf die Unterstützung unserer Kolleginnen und Kollegen vor Ort sowie auf die humanitäre Hilfe. Wir stehen gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft im Aufruf zum Frieden.

In dieser anspruchsvollen und volatilen globalen Situation erzielten wir starkes organisches Umsatzwachstum mit robustem internen Realwachstum. Wir gingen bei den Preisanpassungen verantwortungsvoll vor und verzeichneten eine anhaltende Nachfrage seitens der Konsumenten. Die Kosteninflation steigt weiterhin kräftig an, weshalb im Verlauf des Jahres weitere Preisanpassungen und eindämmende Maßnahmen erforderlich sein werden.”

Mark Schneider, Nestlé CEO

Russland / Ukraine

In Russland konzentriert sich Nestlé nur noch auf die Bereitstellung von lebensnotwendigen Nahrungsmitteln. Alle restlichen Aktivitäten wurden in Russland eingestellt. Aus diesem Grund wird die Region Russland von jetzt an nicht mehr im organischen Umsatz berücksichtigt.

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine hat Nestlé viel dafür getan, die eigenen Mitarbeiter, deren Familien und die Menschen in der Ukraine zu unterstützen. Die lokalen Teams von Nestlé wurden mobilisiert, um die lokale Bevölkerung weiter mit Nahrungsmitteln und lebensnotwendigen Vorräten zu versorgen. Zu diesem Zweck arbeitet Nestlé auch eng mit ukrainischen Wohltätigkeitsorganisationen zusammen und unterstützt so die humanitäre Hilfe im Kriegsgebiet.

Im Westen der Ukraine hat es Nestlé zum großen Teil geschafft, die Lieferketten aufrechtzuerhalten und so die Versorgung der Bevölkerung weiter zu gewährleisten. Im Nestlé-Werk in Charkiw mussten die Tätigkeiten jedoch aufgrund der Bombardierungen eingestellt werden. Das dortige Vertriebszentrum wurde von den Mitarbeitern freiwillig in ein Spendenzentrum umgewandelt, welches die lokale Bevölkerung mit Nahrungsmitteln versorgt. Insgesamt hat Nestlé bis heute mehr als 40 Millionen Portionen an Nahrungsmitteln, Getränken und Nutrition-Produkten in der Ukraine verteilt. Auch Nestlé-Werke in angrenzenden Ländern leisten Unterstützung für die Menschen in der Ukraine. So wurde beispielsweise ein Teil des Werkes im polnischen Rzeszów in eine Unterkunft für Flüchtlinge umgewandelt.

Wachstumstreiber

Bei der Betrachtung des Umsatzes nach Regionen fällt auf, dass besonders die beiden Regionen “Greater China” und “Lateinamerika” nach RIG stark zulegen konnten. Lateinamerika wuchs nach dem Maßstab des RIG um 4,7 Prozent und Greater China um immerhin 3,8 Prozent. Die restlichen Regionen konnten jedoch auch in einem für Nestlé soliden Maß wachsen. Hier lag das Wachstum im Bereich zwischen 1,4 Prozent (Nordamerika) und 2,8 Prozent (Europa). Das organische Wachstum ist in diesem Fall nicht so aussagekräftig, da besonders in den Regionen Nord- und Lateinamerika Preissteigerungen das Bild des Wachstums stark nach oben verzerren.

In Bezug auf die Produkte lieferten die Heimtierprodukte von “Purina” den größten Beitrag zum Wachstum. Auch die Nachfrage nach den Produkten aus dem Bereich Kaffee blieb weiter hoch und so konnte dieser Bereich ebenfalls im hohen einstelligen Bereich wachsen. Im zweistelligen Bereich konnten zudem die Süßwaren, mit “KitKat” an der Spitze, sowie die Wasserprodukte mit den Premiummarken “S.Pellegrino” und “Perrier” wachsen.

Portfoliomanagement

Mit dem Ende des ersten Quartals schloss Nestlé den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an “Orgain” ab. Orgain ist ein führender Anbieter von pflanzenbasierter Ernährung und soll das bestehende Portfolio der Nestlé Health Science Sparte ergänzen. Durch die Übernahme dürfte das organische Wachstum von Nestlé leicht steigen, dafür jedoch die Ergebnismarge der Schweizer leicht sinken. Nestlé besitzt eine Option Orgain im Jahr 2024 vollständig zu übernehmen. Neben dieser Übernahme hat Nestlé vor kurzem auch das deutsche Gewürz-Start-Up Ankerkraut übernommen. Zwar sorgte der Deal für ein großes Medienecho, kurz- und mittelfristig wird er das Geschäft von Nestlé aber wohl kaum beeinflussen.

Nestlé ist weiter auf Kurs

Nach diesem soliden Start in das Jahr 2022, hat Nestlé den Ausblick für das Gesamtjahr bestätigt. Der Umsatz soll weiterhin organisch um rund fünf Prozent wachsen und die EBIT-Marge soll in einer Bandbreite zwischen 17,0 und 17,5 Prozent liegen. Damit liegen die Schweizer ihren langsamen, aber stetigen Wachstumskurs trotz aller Widrigkeiten fort.

Wie bereits bei Procter & Gamble lässt sich auch am Quartalsbericht von Nestlé die Inflation gut ablesen. Beide Konsumgüterkonzerne spüren steigende Rohstoff- und Frachtkosten und geben diese Kosten in Form von Preiserhöhungen an die Kundschaft weiter. Dieser Trend wird sich aller Voraussicht auch im kommenden Jahr fortsetzen. Damit wachsen beide Konzerne natürlich unter dem Strich eigentlich nicht, aber immerhin bieten sie durch ihre Positionierung eine Art “Inflationsschutz”.

Die Nestlé-Aktie bleibt nach den Zahlen weiter Teil unserer Top-50 Aktien. In der aktuell unsicheren Zeit ist solch ein Anker im Depot aus unserer Sicht ein echter Trumpf. Natürlich sollte man keine Wunderdinge von Nestlé erwarten, jedoch zeigen die Schweizer aktuell mal wieder, wie stabil sie Krisen überstehen können und genau das ist die Qualität von Nestlé.

Robin besitzt Aktien von Nestlé.