Das Mantra von Jeff Bezos für sein 1994 gegründetes Amazon (WKN: 906866) war von Beginn an, den vollen Fokus auf die langfristige Entwicklung und den Cashflow des Unternehmens zu richten. Die Gewinne von Amazon stagnieren deswegen auf geringem Niveau und konnten erst in der letzten Zeit etwas anziehen. Für einige Anleger ist das Grund zur Annahme, die Amazon-Aktie sei überbewertet und wird früher oder später nach unten korrigieren. Tatsächlich ist ihr Wert seit 2011 um durchschnittlich 33 Prozent pro Jahr gestiegen. 

Marktführend in vielen Zukunftsbereichen

Ein Blick auf die Geschäftsfelder, mit denen Amazon seinen Umsatz generiert, zeigt: Das Unternehmen ist in vielen Zukunftsmärkten stark positioniert. Laut Geschäftsbericht wurden die rund 386 Milliarden US-Dollar Umsatz im Jahr 2020 durch folgende Segmente generiert:

  • Online Stores: dieser Posten beinhaltet jegliche Umsätze, die der Konzern durch Verkäufe eigener Produkte sowie Produkte Dritter über seine Website generiert
  • Physical Stores: Umsätze, die mit physischen Angebote, v.a. durch die US-Amerikanische Biosupermarktkette Wholefoods und anderen Läden, welche mit Amazons innovativer Einkaufstechnologie „Amazon Go“ arbeiten
  • Amazon Web Services (aws): Amazons Cloud-Dienste, mit denen es anderen Unternehmen weltweit flexible Server-Kapazitäten zur Verfügung stellt
  • Subscription services: Hierunter fallen die Amazon-Prime-Mitgliedschaften und Abonnements von Diensten wie Amazon Music, Audible oder Kindle-Abos
  • Third-party seller services: Umsätze, die durch Dienstleistungen entstehen, welche Amazon für dritte leistet, wie Logistik-Services und die Abwicklung von Produkten
  • Other: v.a. Werbeeinnahmen

Amazon ist  in den verschiedensten Märkten so erfolgreich, weil es sich nicht auf kurzfristige Gewinne konzentriert. Eingenommenes Geld wird schnell und in großem Maße reinvestiert, um Marktführerschaft in neuen Geschäftsfeldern zu erlangen. Mit seiner „It’s still Day 1“-Philosophie hat es der Konzern vom kleinen Online-Buchhändler zum weltweit größten E-Commerce Händler gebracht.  Aufgrund Amazons Strategie sind der Operative Cashflow und der Free Cashflow die sinnvolleren Kennzahlen, um die Entwicklung von Amazon  zu beurteilen.

Amazons Cashflow

Der Operative Cashflow ist der Saldo aus allen ein- und ausfließenden Zahlungsströmen eines Unternehmens zuzüglich seiner getätigten Investitionsausgaben. Die Investitionsausgaben werden bei der Gewinnberechnung nicht berücksichtigt. Deswegen sollte bei einem investitionsorientierten Unternehmen wie Amazon der operative Cashflow deutlich höher sein als der Gewinn. Die Zahlen bestätigen das:

  • Der Operative Cashflow von Amazon ist von 2010 bis 2020 von 3,4 Milliarden auf 66 Milliarden US-Dollar kontinuierlich angestiegen
  • Der Gewinn lag in jedem dieser Jahre deutlich unter dem Operativen Cashflow und entwickelte sich von 1,1 Milliarden auf 21,3 Milliarden US-Dollar. 
  • Das starke Wachstum des Operativen Cashflows besonders ab 2017 hat dazu geführt, dass seitdem auch die Gewinne von Amazon etwas angezogen sind
  • Bei so hohen Cashflows scheint es also auch Amazon schwer zu fallen, alles zu reinvestieren. 

Auch wenn der Operative Cashflow zur Beurteilung der Amazon-Aktie sehr interessant ist, konzentriert sich der Konzern stark auf die Entwicklung seines Free Cashflow. Dieser berücksichtigt die Investitionsausgaben nicht und ist so die überschüssige Geldsumme, die ein Unternehmen theoretisch als Dividende ausschütten könnte. Um für Anleger auch in dieser Hinsicht interessant zu bleiben, ist es ein großes Ziel von Amazon den Free Cashflow zu optimieren. Im Vergleich zum Operativen Cashflow schwankt der Free Cashflow stärker. Auch seine Entwicklung von 2,5 Milliarden (2010) auf 31 Milliarden (2020) US-Dollar sieht jedoch vielversprechend aus. 

Die Aktie hat weiter Potenzial

Die Amazon-Aktie stagniert seit September 2020 auf ihrem sehr hohen Niveau. Dennoch: Aus meiner Sicht kann ein Einstieg aus Anleger-Sicht auch heute noch interessant sein. Die Ausgangsposition des Konzerns für weiteres Wachstum in Zukunftsmärkten ist durch seine Größe und Zahlungsstärke sowie sein gebündeltes Know-how sehr komfortabel. Die wichtigen Kennzahlen des Operativen und Free Cashflow wachsen stetig und haben sein 2017 noch einmal stark angezogen. Für mich spricht daher wenig dagegen, dass Amazon seine Entwicklung der letzten zehn Jahre in den Zwanzigern weiterführt.