Als letztes Unternehmen der großen Techkonzerne hat Amazon (WKN: 906866) gestern Abend nach Börsenschluss seine Quartalszahlen veröffentlicht. Mit einem Quartalsumsatz von 137,4 Milliarden US-Dollar konnte Amazon die Aktionäre überzeugen und die Aktie stieg in der Folge zeitweise über 15 Prozent.

Amazon Umsatz in Q4 2021

Der Umsatz von 137,4 Milliarden US-Dollar bedeutete ein Wachstum von 9,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im ersten Moment ist das für Amazon Verhältnisse ein sehr schwacher Wert. An dieser Stelle muss jedoch mit einbezogen werden, dass im Vorjahr aufgrund der Corona-Pandemie bei Amazon ein extrem gutes Jahr war. Deshalb war es erwartbar, dass mit der Wiedereröffnung des stationären Handels dieser Boom ein Stück weit zurückgeht. Aus diesem Grund war im Vorfeld nur ein Umsatzwachstum von drei bis sieben Prozent erwartet worden. Dass es nun 9,4 Prozent geworden sind, ist daher sehr positiv zu sehen.

Den Hauptumsatz macht Amazon immer noch im Onlinehandel. Rund 87 Prozent des Gesamtumsatzes werden hier generiert. Im letzten Quartal konnte man hier leicht wachsen und das vor allem auf dem wichtigen amerikanischen Markt (+ 9 %). Das internationale Geschäft schrumpfte dagegen sogar um ein Prozent. Der größte Wachstumstreiber war jedoch einmal mehr die Cloudsparte AWS. Diese konnte den Quartalsumsatz im Jahresvergleich um 40 Prozent steigern und erwirtschaftet mittlerweile einen Quartalsumsatz von knapp 18 Milliarden US-Dollar.

Amazon Gewinn je Aktie in Q4 2021

Der Gewinn je Aktie lag im vergangenen Quartal bei 27,75 US-Dollar. Dieser Wert kommt jedoch nur durch einen Sondereffekt zustande und ist daher nicht repräsentativ. Amazon war mit rund 22 Prozent am Elektroautobauer Rivian beteiligt. Dieser wagte im abgelaufenen Quartal den Gang an die Börse und Amazon verkaufte im Zuge dessen seine Anteile. Dies sorgte für einen Sondergewinn vor Steuern in Höhe von 11,8 Milliarden US-Dollar, welcher den Löwenanteil des Nettogewinns von 14,3 Milliarden US-Dollar darstellt.

Deutlich aussagekräftiger ist der Blick auf den operativen Gewinn. Dieser halbierte sich im Vergleich zum Vorjahr auf 3,5 Milliarden US-Dollar. Die Gründe hierfür waren zum einen Inflationsdruck und Lieferkettenprobleme und zum anderen steigende Lohnkosten. Amazon hat im Augenblick Probleme Mitarbeiter zu finden und muss daher sowohl die Gehälter, als auch die Einstiegsboni anheben. Zumindest zum Teil sollen die steigenden Kosten durch eine Erhöhung des monatlichen Abonnement-Preises für Amazon Prime aufgefangen werden.

Die kritische Situation in Bezug auf den operativen Gewinn bezieht sich, wie schon beim Umsatz, in erster Linie auf den Onlinehandel von Amazon. Im Cloudbereich läuft es auch in Bezug auf den Gewinn wie geschmiert. AWS konnte im letzten Quartal einen operativen Gewinn von 5,3 Milliarden US-Dollar erwirtschaften, dies entspricht einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 48 Prozent. Beim Vergleich mit dem gesamten operativen Gewinn (3,5 Mrd. US-$) fällt schnell auf, dass AWS alleine dafür gesorgt hat, dass bei Amazon ein operativer Gewinn entstanden ist. Der Bereich Onlinehandel musste im letzten Quartal einen operativen Verlust verzeichnen.

Amazon Aktie reagiert positiv auf die Zahlen

Nach den Zahlen reagierte die Aktie von Amazon mit einem Satz nach oben. Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Umsatzerwartung übertroffen, ein hoher Sondergewinn erzielt und vor allem im Bereich AWS die Erwartungen weit übertroffen wurden. Auch der recht schwache Ausblick mit einem erwarteten Umsatzwachstum von lediglich drei bis acht Prozent konnte die Anleger letztendlich doch überzeugen.

Aus unserer Sicht waren die Zahlen von Amazon solide. Ja, die Cloudsparte ist weiter sehr stark, aber beim Basisgeschäft im Onlinehandel ist an der ein oder anderen Stelle doch etwas Sand im Getriebe. Für eine aus wirtschaftlicher Sicht so unsichere Zeit ist das aber vollkommen normal und fast schon bemerkenswert, dass es nur so wenige Probleme gibt. Deshalb bleiben wir auch nach diesen Zahlen positiv eingestellt gegenüber der Amazon-Aktie. Amazon dominiert weiter Märkte und surft mit dem Trend, genau das, was wir an Unternehmen am liebsten haben.

Robin besitzt Aktien von Amazon.