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Amazon (WKN: 906866), Alphabet (WKN: A14Y6F) und Microsoft (WKN: 870747) sind die drei größten Anbieter für Cloud-Computing, sogenannte Hyperscaler. Bis 2024 werden diese laut den Marktforschern von Synergy weltweit etwa tausend Rechenzentren betreiben. Das entspricht einer Verdopplung seit 2020. Parallel zur rasant ansteigenden Nachfrage nach den Dienstleistungen von “Amazon Web Services” (AWS), der Google-Cloud und Microsofts “Azure”, geht auch der Strombedarf der Konzerne deutlich nach oben. Kann das auf Dauer nachhaltig sein? Die drei Konzerne sagen ja und versprechen viel.  

Die Argumente der Cloud-Anbieter

Auf dem Weg, ein möglichst großes Stück des wachsenden Cloud-Kuchens abzubekommen, spielt die eigene Klimabilanz eine wichtige Rolle. Ein Großteil der Unternehmen, welche Cloud-Dienste nutzen, verfolgen selbst ambitionierte Nachhaltigkeitsziele. Dabei sind sie durch die laufende Transformation zunehmend von den Betreibern der großen Rechenzentren abhängig. Deswegen fordern Kunden der wichtigen Anbieter inzwischen verstärkt Transparenz bezüglich der Klimabilanz der Cloud-Services. Alphabet und Microsoft informieren ihre Kunden schon länger in einer regelmäßigen Übersicht über die anfallenden Emissionen. Amazon ist jetzt nachgezogen. Matt Garman, Manager bei AWS, sagt, dies sei zunehmend „eine Anforderung der Kunden“. 

Die Branchengrößen argumentieren mit Blick auf den CO₂-Ausstoß mit den langfristig positiven Effekten. Laut Amazon sind die großen, zentralen Rechenzentren effizienter als der Großteil der Anlangen in den Unternehmen. Zum einen sei die Auslastung der Kapazitäten dauerhaft sehr hoch. Zum anderen würden große Cloud-Anbieter deutlich stärker in die Senkung des Stromverbrauchs der Server investieren. Der von Amazon selber beauftragte Technologieberater 451 Research schätzt, dass „AWS schon jetzt bis zu fünfmal effizienter als ein durchschnittliches EU-Unternehmen“ sei. 

Die Nachhaltigkeitsziele der drei großen Anbieter

Microsoft, Alphabet und Amazon unterscheiden sich in ihren Nachhaltigkeitszielen recht deutlich. Amazon hat sich das Thema später auf die Fahnen geschrieben als die beiden Konkurrenten. Das zeigt sich auch darin, dass der Konzern erst jetzt damit beginnt, die Emissionen transparent zu machen. Bis spätestens 2030 möchte man zu hundert Prozent erneuerbare Energien nutzen. Weitere zehn Jahre später will man dann komplett klimaneutral sein. 

Alphabet ist mit seiner Google-Cloud ein gutes Stück voraus. Seit 2017 gilt der Cloud-Dienst durch das massive Einkaufen grüner Energiezertifikate als CO₂-frei. Zusätzlich wird stark in Solar- und Windparks investiert. Bis 2030 soll der gesamte Alphabet-Konzern dann CO₂-neutral werden. Die Entwicklung scheint vielversprechend. 2020 liefen bereits zwei Drittel der Rechenzentren mit erneuerbaren Energien, Tendenz steigend. 

Microsoft geht sogar noch einen Schritt weiter. Der Anbieter von Azure peilt an, bis 2050 die gesamten CO₂-Emissionen seit der Unternehmensgründung zu neutralisieren. Dazu möchte man ab 2030 CO₂-negativ werden und beginnen, Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre zu entfernen. Die Technologien dafür seien heute jedoch noch nicht ausreichend erforscht. 

Alphabet Aktie: Wird jetzt auch Google grün?

Auch die Google-Suchmaschine wird sich durch die Nachhaltigkeitsstrategie von Alphabet verändern. Somit sollen mehrere neue Produkte den Usern „Wege für ein nachhaltigeres Leben aufzeigen“, erklärte der Konzern bereits im Oktober vergangenen Jahres. Nutzern soll bei Suchanfragen das eigene umweltbewusste Handeln vereinfacht werden. Beispielsweise will Google auf dem Kartendienst Maps künftig die Route mit dem geringsten Spritverbrauch anzeigen und auch bei Informationen über Aktien will man die Nutzer über Nachhaltigkeitsfaktoren des jeweiligen Konzerns aufklären. Die große Reichweite von Google ist dabei ein starker Hebel. Zum Beispiel wird Maps monatlich von rund einer Milliarde Menschen genutzt. Alleine durch die Spritspar-Routen bestehe so ein Einsparpotenzial von über einer Million Tonnen CO₂ pro Jahr.

Die Alphabet-Aktie ist, wie auch die Wertpapiere von Microsoft und Amazon, eine feste Bank in unserem Portfolio. Auch wenn Microsoft die wohl ehrgeizigsten Ziele in Bezug auf die Nachhaltigkeit verfolgt. Mit Blick auf eine nachhaltige Cloud ist Alphabet der Konkurrenz im Moment ein Stück voraus. Dass Cloud-Dienste die Welt wirklich nachhaltiger machen, müssen sie aber alle erst noch beweisen. Die Kundschaft wird dies immer stärker einfordern und eine gute CO₂-Bilanz zu einem der entscheidenden Wachstumsfaktoren in der umkämpften Branche machen.

Julian besitzt keine der im Artikel erwähnten Aktien.