Die neuen Quartalszahlen waren zwar alles andere als stark, trotzdem hat der größte Streaming-Dienst Netflix (WKN: 552484) eine noch schlechter erwartete Entwicklung abgewehrt. Dazu kommt nun ein richtungsweisender Werbedeal mit Microsoft (WKN: 870747): Netflix könnte durch ein neues Abo-Modell Sympathien und Abonnenten zurückgewinnen. Die Netflix Aktie erholt sich nach einem schlechten Start ins Jahr zuletzt deutlich.

Die Q2-Ergebnisse 

Netflix-Anleger freuen sich darüber, dass sich im zweiten Jahresviertel nur 970.000 Nutzer von der Plattform abgewendet haben. Eine Tatsache, an die sich die Wachstums-verwöhnten Kalifornier erst noch gewöhnen müssen. Doch nachdem Netflix im Q1 erstmals Abonnenten verloren hatte, ging man in Q2 schon von einem regelrechten Kollaps aus. In der Prognose befürchtete der Konzern ein Minus von zwei Millionen Nutzern. Dass es nun deutlich milder kam, lag wohl vor allem an der packenden und gut platzierten vierten Staffel des Mystery-Hits Stranger Things. 

Zeitgleich muss man festhalten: Netflix hat weiter große Probleme in der eigenen Heimatregion. In den USA sind der eigene Dienst sowie die Konkurrenz-Angebote im weltweiten Vergleich bereits stark verbreitet. Das macht große Wachstumssprünge hier deutlich schwerer. In Wahrheit ist man meilenweit davon entfernt. Denn zuletzt verabschiedeten sich in der Region USA und Kanada sogar 1,3 Millionen Menschen von der Plattform. Aufgefangen wurde das noch durch die starke Entwicklung in Asien-Pazifik. Hier kamen 1,1 Millionen neue Kunden hinzu. Für das anstehende Q3 geht das Management wieder von einem Netto-Plus mit Blick auf die gesamten Nutzerzahlen aus. Der Negativtrend in den USA soll auch durch ein neues Abo-Modell gestoppt werden. 

Der Netflix-Microsoft-Deal!

Berichten zufolge beschäftigte man sich in der Chef-Etage unter anderem auch mit einer Kooperation mit Alphabet-Tochter Google. Nicht zuletzt wegen der Konkurrenz-Situation mit Google’s Youtube wurde es am Ende Microsoft. Der US-amerikanische Tech-Konzern soll für Netflix nun eine neue, Werbung-basierte Abo-Version realisieren. Microsoft gehört auf dem Werbemarkt zwar nicht zu den Top-Playern. Inzwischen setzt das Unternehmen aber bereits mehr als zehn Milliarden US-Dollar um. Das sind etwa sechs Prozent des Gesamtumsatzes. 

“Microsoft has the proven ability to support all our advertising needs as we together build a new ad-supported offering. More importantly, Microsoft offered the flexibility to innovate over time on both the technology and sales side, as well as strong privacy protections for our members. It’s very early days and we have much to work through. But our long-term goal is clear: More choice for consumers and a premium, better-than-linear TV brand experience for advertisers. We’re excited to work with Microsoft as we bring this new service to life.”

Greg Peters, COO Netflix

Anleger der Netflix Aktie erhoffen sich viel von der Zusammenarbeit. Die werbefreien Modelle werden dabei nicht ersetzt. Wer ohne Unterbrechung auf der Plattform streamen möchte, kann das weiter tun. Nutzer, denen die heutigen Alternativen zu teuer sind, können demnächst dann weniger zahlen und bekommen über die Microsoft-Technologie Werbung geschaltet. Das könnte klappen und neue Kunden anziehen: Laut einer Befragung von Simon-Kucher & Partners wäre Werbung für 80 Prozent der Nutzer kein Grund, ihr Abo zu beenden. 

Der Befreiungsschlag für die Netflix Aktie?

Die Entwicklung in Q2 ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Die neue Abo-Variante soll Anfang nächsten Jahres an den Start gehen. Dann könnten dem Streaming-Dienst Zusatzeinnahmen im niedrigen einstelligen Milliarden-Bereich winken. Mit Blick auf das Gesamtjahr ist für Netflix damit etwa 20 Prozent mehr Umsatz drin. Frisches Geld, dass das ständig auf neue Formate angewiesene Netflix sehr gut gebrauchen kann. Aber auch schon in diesem Jahr erhofft sich Netflix bei den Nutzerzahlen wieder zu wachsen.  

Die Netflix Aktie bleibt für uns damit zwar weiter auf dem Prüfstand. Die Grundlage, um die Talfahrt mittelfristig zu verlassen, ist aber geschaffen. Ab Jahresbeginn verlor das Wertpapier noch immer über 60 Prozent an Wert. Seit einem Monat gab es jedoch eine plus 20-Prozent-Rallye. Der Werbedeal mit Microsoft kann somit zwei Kandidaten unserer Top 50 pushen. Für Netflix hängt jedoch deutlich mehr von einem Erfolg der Kooperation ab. Microsoft kann da deutlich entspannter sein und kann die nicht ganz so bedeutende Werbe-Sparte weiter ausbauen. 

Julian besitzt keine der im Artikel erwähnten Aktien.