Am Montag hat Nike (WKN: 866993) seine aktuellen Quartalszahlen veröffentlicht. Höchste Zeit für uns, mal wieder einen Blick auf den umkämpften Markt der Sportartikelhersteller zu werfen. Westliche Marken litten zuletzt spürbar unter den Boykott-Aufrufen und Corona-Lockdowns in China. Zumindest für Nike scheint der Einbruch dort weiterzugehen. Im abgelaufenen Q4 setzte der Konzern in „Greater China“ währungsbereinigt 20 Prozent weniger um. Und wie steht die Adidas Aktie (WKN: A1EWWW) im Vergleich zur Konkurrenz aus den USA da? Wir blicken für euch drauf!

Nike Aktie: Die Quartalsergebnisse im Überblick

In den abgelaufenen drei Monaten hat Nike deutlicher weniger Geld verdient. Im abschließenden Q4 des Sportartikelherstellers ging der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr um etwa fünf Prozent auf 1,4 Milliarden US-Dollar zurück. Und auch der Umsatz fiel leicht um ein Prozent auf 12,2 Milliarden US-Dollar. Für die schlechte Entwicklung sorgte neben dem Sorgenkind „Greater China“ auch die wichtige Heimatregion „North America“. Hier gingen die Umsätze um fünf Prozent auf 5,4 Milliarden US-Dollar runter. Positiv entwickelten sich währungsbereinigt dagegen die Märkte „Europe, Middle East & Africa“ (+ 20%) und „Asian Pacific & Latin America“ (24%).

In China leidet Nike neben den Boykott-Aufrufen noch immer stark unter der harten Corona-Politik des Landes. Nach Ausbrüchen wurden immer wieder Werke geschlossen, was vermehrt zu Produktionsstörungen führte. Die ohnehin problemgeplagten Lieferketten wurden dadurch weiter belastet und behinderten den internationalen Handel der Marke. Somit fand ein großer Teil der Waren im vergangenen Quartal nicht den Weg aus den Lagern. Die Bestände wuchsen kräftig an. Bis Dienstagmittag reagierte die Nike Aktie mit einem Minus von über sechs Prozent auf die Zahlen. 

Adidas Aktie: Ist Rorsted noch der richtige Chef?

Die nächsten Adidas-Zahlen kommen erst Anfang August. Aus dem neuesten Nike-Ergebnis liest sich jedoch auch für das deutsche Pendant nichts Gutes. Ab Mitte des Jahres wollte der Konzern im wichtigen Zukunftsmarkt China eigentlich wieder wachsen. Dieses Ziel scheint nach dem dort starken Rückgang von Nike inzwischen in weiter Ferne. Damit die Adidas Aktie auf langfristige Sicht interessant bleibt, ist ein erfolgreiches Geschäft in China eigentlich Pflicht. Um das Ruder rumzureißen, entwickelt Adidas inzwischen eigene Produkte für den chinesischen Markt. Ob das einen Unterschied macht, wird man erst in den nächsten Jahren beobachten können. 

Der weitere Erfolg von Adidas scheint auch stark vom Innovationsgeist der Herzogenauracher abzuhängen. Dass CEO Kasper Rorsted einen kreativen Umbruch des Traditionskonzerns managen soll, stößt bei so manchen auch auf Kritik. Branchenexperte Klaus Jost sagte dem Handelsblatt, Adidas fehle zurzeit „ein wenig das Tüftlergen“. Rorsted gilt in der Branche eher als Experte für Rentabilität und Kostensenkung. Die aktuell verklemmte Lage der westlichen Sportartikel-Konzerne könnte jedoch mehr als das erfordern. Die noch immer starke Marktposition von Adidas sollte nicht auf Kosten von Innovation und das agile Gespür für Branchentrends gehen. Sein Chefposten steht derzeit jedoch nicht zur Debatte. Spätestens im nächsten Jahr werden wir sehen, ob der Konzern unter seiner Leitung den nötigen Erneuerungsdrang hat.

Nike oder Adidas Aktie?

Momentan liegt beim Vergleich der zwei Sportartikel-Riesen die Nike Aktie vorne. Auch wenn die US-Amerikaner im vergangenen Quartal nicht wachsen konnten. Die Ergebnisse waren noch immer besser als die Prognosen der Analysten. Und mit Blick auf das Gesamtjahr konnte der Konzern währungsbereinigt dann doch um sechs Prozent zulegen. Beide Sportartikel-Werte haben seit Jahresbeginn eine regelrechte Abwärts-Rallye hingelegt. Die Adidas Aktie schneidet mit einem Minus von 34 Prozent jedoch noch fünf Prozent schlechter als ihr größter Konkurrent ab. Sollte sich das China-Geschäft wieder normalisieren, spricht bei beiden nichts gegen ein gesundes Wachstum. Wir trauen Nike im sehr komplizierten Marktumfeld zurzeit etwas eher die Wende zu.

Julian besitzt keine der im Artikel erwähnten Aktien.