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Trotz historisch hoher Inflation, weiter angeschlagenen Lieferketten und einer sich anbahnenden Energiekrise: Unsere drei Konsumgüter-Riesen Unilever (WKN: A0JNE2), Nestlé (WKN: A0Q4DC) und Procter & Gamble (WKN: 852062) haben alle solide erste Quartale hingelegt. Woran liegt das?

Unilever Aktie: Umsatzwachstum durch höhere Preise

Einen Hauptgrund erkennt man, wenn man sich das Umsatzwachstum der Unternehmen genauer anschaut. Die Erlöse von Unilever sind im ersten Quartal 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 7,3 Prozent gestiegen. Und das, obwohl zeitgleich das Absatzvolumen um ein Prozent zurückging. Somit konnten die Umsätze von Unilever nur durch starke Preissteigerungen wachsen. Die Quartalsberichte von Nestlé und Procter & Gamble zeigen ein ähnliches Bild. 

Das kann man auf der einen Seite kritisch sehen. Denn das bedeutet auch, dass es den Unternehmen nicht gelungen ist, deutlich mehr Kunden von den eigenen Produkten zu überzeugen. Gleichzeitig zeigt es aber auch einen entscheidenden Vorteil, den die Konsumgüter-Branche in Krisenzeiten hat. 

Teure Produkte werden weiter gekauft!

Die Rekordinflation nagt natürlich auch immer weiter an der Kaufkraft der Konsumenten. Man könnte meinen, die Menschen würden nun verstärkt auf billigere Alternativen zu den teureren Markenprodukten ausweichen. Der Start ins Jahr ist jedoch ein Indiz dafür, dass in Krisenzeiten eher an Altbewährtem festgehalten wird. Bekannte Produkte dienen in gewisser Weise als Stabilitätsfaktor für Kunden. Hinzu kommt, dass die drei Konzerne mit Marken wie Nescafé, San Pellegrino und Maggi (Nestlé) – Lipton, Knorr und Ben & Jerry’s (Unilever) sowie Pampers, Axe und Head & Shoulders (Procter & Gamble) Waren für den täglichen Gebrauch anbieten. Auf diese können viele Konsumenten auch in Krisenzeiten kaum verzichten.

Engpässe bei Babynahrung in den USA

Besonders drastisch zeigt dies auch der derzeitige Mangel an Muttermilchersatzprodukte in den USA. Aufgrund eines Rückrufs sind diese derzeit in den US-amerikanischen Supermärkten knapp. Um den großen Bedarf zu decken hat Nestlé kurzerhand die eigene Produktion hochgefahren. Eine Konzernsprecherin sagt, man habe „diesen Produkten Priorität eingeräumt, weil sie einem wichtigen medizinischen Zweck dienen“. Damit sind zwei Marken gemeint, unter denen Nestlé hypoallergene Milchprodukte verkauft. Diese seien momentan besonders stark gefragt.

Die drei Aktien im Vergleich!

Im Gegensatz zu Unilever wären Nestlé und Procter & Gamble im letzten Quartal auch ohne die Preissteigerungen gewachsen. Das könnte ein Indikator dafür sein, dass beide Konzerne verstärkt Marken in ihren Reihen haben, auf die Menschen schwerer verzichten können. Dazu passt, dass auch die Unilever Aktie in diesem Jahr am schwächsten performt hat. Um dreizehn Prozent ging es seit Jahresbeginn nach unten. Allerdings fielen auch die Werte von Nestlé (-9,5%) und Procter & Gamble (-2,5%). Die beiden bleiben dennoch wichtige Säulen in unseren Top-50 Aktien. Auch wenn es gut sein kann, dass Umsatzwachstum noch bis ins nächste Jahr allein durch Preisanhebungen erzielt wird. Eine stabile Seitwärtsbewegung wäre in einem so schwierigen Umfeld schon fast beeindruckend. Bei Unilever sind wir nach dem Absatzrückgang vorsichtiger und blicken genau auf die weitere Entwicklung. 

Julian besitzt keine der im Artikel erwähnten Aktien.