Das endgültige Aus in Russland

Bereits im März hatte Starbucks (WKN: 884437) seine Geschäfte in Russland als Reaktion auf den Einmarsch in die Ukraine ausgesetzt. Nun geht die weltweit größte Café-Kette noch einen Schritt weiter und zieht sich komplett aus dem Land zurück. Damit endet die 15-jährige Liaison, die zum Ende aus etwa 130 Filialen und 2000 Mitarbeitern bestand. Zur Einordnung: Allein in den USA hatte der Konzern Ende letzten Jahres knapp 9.000 Geschäfte geöffnet. Somit werden sich auch die Verluste durch das Aus in Grenzen halten. Mögliche Mehreinnahmen ständen wohl in keinem Verhältnis zur öffentlichen Kritik, welcher das Unternehmen durch fortlaufende Geschäfte im Land ausgesetzt wäre. Die Angestellten würden für ein halbes Jahr weiterbezahlt und bei der Jobsuche unterstützt. Weitere Details zum Ende in Russland wurden nicht genannt. Die Starbucks Aktie ist seit Jahresbeginn um 30 Prozent abgestürzt.

Die Prämien-App lohnt sich mehrfach

Anfang Mai präsentierte Starbucks zum ersten Quartal in Krisenzeiten stabile Zahlen. Im größten Markt, den USA, ist das Prämien-Programm der Café-Kette heute ein wichtiger Faktor. In Q1 nutzen 26,7 Millionen aktive Mitglieder das Angebot. Das sind 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Mit dem Programm können Kunden Punkte sammeln und diese gegen Getränke und Speisen in den Filialen eintauschen. Außerdem gibts ein kostenloses Getränk zum Geburtstag. Über die mobile App können Nutzer Starbucks-Produkte zum Abholen oder auch zur Lieferung nach Hause vorbestellen. Der war einer der ersten mit einer solchen digitalen Plattform und hat sich damit in den letzten Jahren einen treuen Kundenstamm aufgebaut. Im ersten Quartal sorgten Mitglieder des Programms für 54 Prozent der Umsätze in den Staaten. Durch die Angebote besuchen sie öfter als reguläre Kunden die Filialen und geben dazu pro Bestellung auch mehr Geld aus. In den zehn Jahren seit dem Start des Prämien-Systems konnte Starbucks zudem viele Kundendaten sammeln. Auf deren Basis wiederum das Marketing und die Produkte der Kette verbessert werden können. Auch außerhalb der USA wird die App heute angeboten. 

Gefährden Gewerkschaften die Starbucks Aktie?

In den USA herrscht derzeit eine aufkommende Gewerkschafts-Stimmung. Starbucks geht dagegen vor und schreibt: „Wir sind in der Lage, schneller zu handeln als eine Gewerkschaft“. Demnach sei es dem Konzern bewusst, dass sich auch mit Blick auf die Löhne vieles ändern müsse. Vor drei Wochen kündigte der Konzern außerdem an, in Filialen ohne Gewerkschaft die Krankenversicherung zu verbessern und die Gehälter zu erhöhen. Man will unbedingt vermeiden, dass zu den inzwischen 50 Standorten mit Gewerkschaften noch weitere hinzu kommen. Bei 250 weiteren Filialen der Kette wird darüber noch abgestimmt. Starbucks hat in den letzten Jahren als Antwort auf Forderungen nach Gewerkschaften immer wieder auf die überdurchschnittlichen Vorteile seiner Angestellten verwiesen. Kann der Konzern den Großteil seiner Mitarbeiter davon überzeugen, dass sie auch ohne Gewerkschaften einen fairen Arbeitsplatz haben? Starbucks muss hier nun sicher weitere Antworten geben.

Starbucks Aktie: Wo will der Konzern hin?

Die zunehmende Digitalisierung stößt trotz der positiven Effekte auch auf Kritik. Denn die Marke Starbucks soll auch in erster Linie von der besonderen Interaktion zwischen Kunde und Mitarbeiter leben. Seit der Pandemie und den Erfolgen der App liegt der Fokus inzwischen verstärkt auf Take-away und Lieferungen als auf der Begegnung in der Filiale. Hinzu kommt momentan das Risiko, es sich über den Gewerkschaftsstreit mit den eigenen Angestellten zu verscherzen. Unzufriedene Mitarbeiter in großer Zahl zu ersetzen, wäre aufgrund des angespannten Arbeitsmarktes derzeit eine große Herausforderung. Auf lange Fahrt könnten nun die Weichen für den weiteren Erfolg des Café-Giganten gestellt werden. Wir bleiben optimistisch!

Julian besitzt keine der im Artikel erwähnten Aktien.