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Schon seit Mai letzten Jahres steht es im Raum: Der Konzern um die Amazon Aktie (WKN: 906866) möchte mit Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) einen echten Klassiker unter den Filmstudios übernehmen. Nun ist der Plattform-Gigant seinem Ziel ein wichtiges Stück näher gekommen. So hat die Kartellaufsichtsbehörde der EU keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken mit Blick auf den bevorstehenden Deal. Und auch die kritische Federal Trade Commission (FTC) in den USA haben ihre Frist verstreichen lassen, gegen die Übernahme vorzugehen. 

Wie steht MGM heute da?

MGM produzierte seit der Gründung im Jahr 1924 etliche Filmklassiker wie Ben Hur, 2001: Odyssee im Weltraum und Rocky. Der Filmkonzern hat seine Blütezeit aus den 1940er Jahren allerdings längst hinter sich gelassen. Seit Jahren hält man sich vor allem mit dem kommerziellen Erfolg der James Bond Filme über Wasser. Insgesamt besitzt MGM heute die Rechte an 4.000 Filmen und 17.000 Serien-Episoden. Die Filmproduktion hatte nach dem Zweiten Weltkrieg Probleme, sich an die stetig wandelnden Anforderungen des Publikums anzupassen. Da stellt sich natürlich folgende Frage: Warum will Amazon für MGM knapp 8,5 Milliarden US-Dollar auf den Tisch legen?

Auch Amazon Prime braucht immer frischen Content

Anfang des Jahres haben wir über den Content-War im Streaming-Business zwischen Netflix und Disney berichtet. Klar, dass hier auch Amazon mit seinem Dienst Prime Video an vorderster Stelle mitmischt. Aus dieser Perspektive könnte sich die Übernahme von MGM durchaus auszahlen. Dem traditionsreichen Studio aus Los Angeles fällt es auch aufgrund der sich stark ändernden Sehgewohnheiten der Menschen schwer, sein großes Film-Portfolio ertragreich zu nutzen. Amazon stellt im Gegensatz dazu bereits eine der weltweit größten Streaming-Plattformen. So kann man vor allem die noch immer stark nachgefragten Formate von MGM verwerten, um mit Blick auf das Angebot exklusiver zu werden. Zusätzlich kann man bestehende MGM-Lizenzen für Titel wie Vikings, Rocky oder eben auch die James Bond-Reihe weiter ausschlachten.

In der Branche munkelt man, dass auch Netflix Interesse an MGM hatte. Der in Deutschland führende Streaming-Anbieter hatte genau wie Disney angekündigt, seine Investitionen in neue Formate in den nächsten Jahren deutlich zu erhöhen. Der MGM-Kauf wäre die teuerste Übernahme für Amazon seit fünf Jahren. 2017 verleibte man sich noch Whole Foods für 13,7 Milliarden US-Dollar ein. 

Streaming-Markt wohl noch lange nicht gesättigt

Zwar hatte besonders Netflix in den letzten Monaten Probleme, sein Nutzerwachstum hochzuhalten. Dem Streaming-Markt allgemein wird allerdings weiterhin großes Entwicklungspotenzial zugeschrieben. Statista-Prognosen gehen in Deutschland bis 2026 von einer jährlichen Wachstumsrate um knappe zehn Prozent aus. Weltweit wächst der Kuchen um knapp neun Prozent pro Jahr und insgesamt etwa 27 Milliarden US-Dollar in den nächsten vier Jahren an. Ob sich die hohe anstehende Investition in MGM für die Amazon Aktie hierbei auszahlt, bleibt abzuwarten. Aus meiner Sicht ist es jedoch sinnvoll, dass der Konzern seine Investitionskraft nutzt, um sich im Streaming-Segment inhaltlich stärker von anderen Branchengröße abzugrenzen.

Julian besitzt keine der im Artikel erwähnten Aktien.