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Der deutsche Gesundheitskonzern Fresenius (WKN: 578560) will weiter Kosten sparen. Nun plant das Management laut dem Handelsblatt weltweit rund 2.000 Stellen bei Fresenius Kabi zu streichen. Kabi ist eine große Medikamenten- und Ernährungssparte des Konzerns. Damit geht das vor einer Zeit selbstauferlegte Kostensenkungsprogramm konsequent weiter. Auch in Deutschland würden einige Jobs wegfallen. Und: Verkauft der Konzern vielleicht sogar seine größte Sparte? Fest steht: Die Fresenius Aktie befindet sich im freien Fall und könnte strikte Maßnahmen gebrauchen.

Wirken die Sparmaßnahmen?

Gemeinsam mit Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) hatte sich Fresenius im vergangenen Jahr ambitionierte Sparziele gesetzt. Durch ein profitableres Wachstum will man „eine weitere Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens“ erreichen. Bislang wirkten die Maßnahmen sogar stärker als zuvor erwartet. Die Konzernführung hat daher bereits die Sparziele nach oben korrigiert. Die zuletzt etwa 1,9 Milliarden Euro Gewinn und 37,5 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2021 klingen zwar solide. Trotzdem hat Fresenius mit diesem Ergebnis zuletzt an Wachstumsdynamik verloren. Die Ergebnisse im ersten Quartal diesen Jahres entsprachen trotz der Beeinträchtigungen durch den Krieg in der Ukraine aber den Erwartungen.

Fresenius Aktie: Welchen Stellenwert hat die Kabi-Sparte?

In 2021 hat die Kabi-Sparte 7,2 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Damit steht sie im Konzern an dritter Stelle hinter FMC (17,6 Milliarden Euro) und Fresenius Helios (10,9 Milliarden Euro). Kabi generiert seine Umsätze mit folgenden Produkten für das Krankenhaus:

  • intravenöse Arzneitmittel
  • klinische Ernährung
  • Infusionstherapie
  • medizinische Produkte & Transfusionstechnologie
  • Biosimilars

Die EBIT-Marge im Segment war zwar zuletzt mit über 16 Prozent Konzernspitze. Die Tendenz der Profitabilitätskennzahl ist jedoch sinkend. Über den Stellenabbau erhofft sich die Unternehmensführung eine Trendumkehr. Von den weltweit 42.000 Beschäftigten bei Kabi sollen 2.000 ihre Stellen räumen. Etwa 250 davon in Deutschland. In die Sparte setzt man bei Fresenius weiterhin die größten Wachstumshoffnungen für die Zukunft. Vorstandsvorsitzender Stephan Sturm kündigte beim Quartalsbericht im Februar an, in die Kabi-Sparte am stärksten zu investieren.

Auch der Verkauf einer ganzen Sparte ist möglich

Schon länger steht für Fresenius der Verkauf von FMC zur Debatte. Der Konzern hält derzeit 32 Prozent an der Dialyse-Tochter. Jetzt sagte Sturm in einem Interview, dass ein Verkauf „keineswegs beschlossene Sache“ sei. Fresenius müsse die „Fresenius Medical Care nicht verkaufen, um das Wachstum in anderen Unternehmensbereichen zu finanzieren“. Vom Tisch ist eine Veräußerung damit aber noch lange nicht. Viel mehr will man das Wachstumspotenzial, das FMC weiter habe, „bestmöglich” nutzen. Laut Sturm wird das ein anderer Konzern „womöglich noch besser können als wir”. Ein Verkauf der größten Sparte würde frisches Geld in die Kassen spülen. Das könnte Fresenius nutzen, um in den anderen drei Segmente das Wachstum zu verstärken.

Stabilisiert das Profitabilitätsprogramm die Fresenius Aktie?

Die ersten Erfolge auf dem weg zu einem schlankeren Konzern stimmen uns zwar positiv. Zeitgleich ist jedoch klar, dass dies erst der Anfang in einem langen Prozess gewesen sein kann. Die Fresenius Aktie muss Argumente liefern, um langfristige Anleger wieder zu überzeugen. Seit einem Jahr ist der Kurs um über ein Drittel abgesackt und auch der aktuelle Trend ist negativ. Anfang August gibt es den nächsten Quartalsbericht. Bis dahin blicken wir zwar vorsichtig auf den deutschen Gesundheitsriesen. An die langfristige Entwicklung glauben wir jedoch weiterhin.

Julian besitzt keine der im Artikel erwähnten Aktien.